Startup-Gründung in COVID-Zeiten

Wie war es eigentlich, unter den COVID-Restriktionen eine internationale Produktion und eine Schuhmarke aufzubauen? Ich habe SASHAY vor genau einem Jahr gegründet - kurz vor dem zweiten Lockdown. Das war sicher eine zusätzliche Herausforderung. Aber vermeintlich widrige Rahmenbedingungen haben sich im Nachhinein in vielen Bereichen als glückliches Gefüge erwiesen.


Experten waren erreichbar, Freunde hatten Zeit

Wenn man so ein Projekt startet, weiss man vieles noch nicht. In der Regel deckt man nicht sämtliche Bereiche mit eigenem Wissen und Erfahrungen ab. Da ist es zentral, dass man sich mit Experten aus dem Netzwerk und Freunden austauschen kann. Wohl nicht zuletzt dank COVID hatte ich die Möglichkeit, an echte Koryphäen aus Werbung, Text und Fotografie «ranzukommen». Sie haben mich mit Musse, Input und Weitervernetzung enorm unterstützt. Auch Freunde haben sich immer Zeit genommen, Ideen zu besprechen und waren stets bereit, an spontanen WhatsApp Umfragerunden teilzunehmen.

Wahrscheinlich hätte mich mein Netzwerk auch ohne Lockdown unterstützt. Aber es war sicher einfacher, die Menschen im eintönigen Lockdown-Alltag für das Projekt zu begeistern als im hektischen Normal-Modus.


Inspiration dank virtuellen Veranstaltungen

Die Zeit zu Hause konnte ich bestens nutzen und vom riesigen Angebot an Webinaren und Online-Konferenzen profitieren. Viele Schulungen und Events wurden neu digital durchgeführt. Das ermöglichte mir ein unkompliziertes und trotzdem gezieltes Vertiefen meines Knowhows – alles bequem vom Sofa aus.

Die vielfältigen Themen und Referate aus der ganzen Welt haben mich immer wieder neu inspiriert. Das war für mich persönlich sehr wichtig, weil auch mein Alltag trotz aufregendem Firmen-, Produktions-, und Markenaufbaus zwischendurch etwas eintönig war. Die «Inspiration des Lebens» hat mir im Lockdown einfach gefehlt. Ich konnte sie durch Online-Veranstaltungen zumindest teilweise kompensieren.


Gegenseitiges Commitment

Natürlich gab es auch Hindernisse wegen COVID. Wir produzieren in einem kleinen Familienbetrieb in Portugal. Anfang Jahr war die Situation dort sehr kritisch und das Gesundheitssystem kam an seine Grenzen. Es gab einen harten Lockdown. Fabriken mussten wegen positiven Corona-Fällen z.T. mehrmals vorübergehend schliessen oder wegen Ausfällen die Produktion herunterfahren. Das führte zu Verzögerungen. Und es hat nicht nur «unsere» Schuhmanufaktur betroffen, sondern alle Zulieferer und Hersteller von Schuh-Komponenten wie z.B. Sohlen oder Absätzen. So banal es klingen mag: Die Produktion von physischen Gütern lässt sich nicht im Home-Office bewerkstelligen. Das ist mir sehr bewusst geworden und spüre ich gerade heute im Zusammenhang mit Rohstoffmangel und Lieferengpässen sogar noch stärker (mehr zu diesem Thema hier).

Lange war es auch nicht möglich zu reisen. Mein Produzent in Portugal und ich haben die ersten vier Monate ausschliesslich über Zoom-Calls, Mails und WhatsApp miteinander kommuniziert und die gesamte Zusammenarbeit sowie die Produktion auf diese Weise aufgegleist. Und es war möglich! Wir haben sicher mehr Zeit dafür gebraucht und einige Extrarunden gedreht. Aber das gegenseitige Committment, die Verbundenheit, das Verständnis und der Wille, trotzdem gemeinsam diese völlig neuen Schuhe aus Apfelleder zu kreieren, hat dadurch mit Sicherheit gewonnen.

Bei persönlichen Treffen entsteht dennoch eine andere Dynamik als virtuell. Gerade beim Kreieren von etwas Neuem ist das essenziell und meine Partner und ich hier in Zürich wollten nicht ganz darauf verzichten. Wegen Home-Office-Pflicht und geschlossenen Restaurants haben wir unserer Business Meetings auf lange Spaziergänge verlegt. Da gab es auch mal Zeit und Raum, sich über persönliche Themen zu unterhalten. Und daraus sind nun Freundschaften entstanden.

Trotzdem bin ich nicht ganz unglücklich, dass wir nun nicht mehr stundenlang bei -10 Grad durch die Zürcher Allmend latschen müssen und wir uns einfach wieder irgendwo auf einen Kaffee treffen können. 😉

Ich hoffe sehr, das wird so bleiben.

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