Nachhaltigkeit ist eine Frage der Einstellung, nicht nur des Materials

Auch in der Modebranche ist Nachhaltigkeit ein Riesenthema – und oft mit Greenwashing verbunden. Für mich hat Nachhaltigkeit viele Facetten: Mir liegen die Tiere, die Umwelt und die an der Produktion beteiligten Menschen gleichermassen am Herzen.


Nachhaltige Materialien

Die Produkte von SASHAY sind vegan und wir verwenden nachhaltiges Apfelleder (siehe auch Blogbeitrag «Warum Apfelleder?») Aber wir sind ehrlich gesagt noch nicht da, wo ich gerne sein möchte. Für mich ist es ein Prozess, immer nachhaltiger zu werden. Ich bin der Meinung, dass man irgendwo anfangen muss, auch wenn noch nicht alles dem Zielbild entspricht. Gerade seitens Materialien wird es in den nächsten Jahren noch viele Innovationen geben. Deswegen bleiben wir konstant mit den Herstellern in Kontakt und testen immer wieder neue Materialien. Die neuste Generation Apfelleder enthält bereits 70% Apfelresten - deutlich besser als 100% Plastik wie normales Kunstleder, oder?


Faire Arbeitsbedingungen

Neben den Materialien ist für mich die soziale Nachhaltigkeit genauso wichtig. Es war immer klar, dass SASHAY nur unter fairen Arbeitsbedingungen produziert. Unsere Schuhe werden in einem kleinen, nachhaltigen Familienbetrieb in Portugal hergestellt, wo nicht nur die Mindestlöhne bezahlt werden. Die Schuhmanufaktur ist in einem neuen Gebäude, gross und hell, es gibt keine Nachtschichten und der Umgang unter den Mitarbeitern und der Eigentümerfamilie ist freundschaftlich entspannt. Viele Mitarbeiter sind teilweise schon über 15 Jahre im Familienbetrieb tätig und fertigen die Schuhe mit viel Erfahrung und grösster Sorgfalt von Hand.


Partnerschaftliche Kultur

Ich wünsche mir grundsätzlich immer einen respektvollen, ehrlichen und transparenten Umgang mit Menschen. Das gilt auch für Kunden und Geschäftspartner. Eine faire, langfristige und vertrauensvolle Basis ist für mich sehr wichtig. Ich möchte keine Zulieferer, sondern Partner. Das heisst, dass SAHSAY nicht um jeden Preis Gewinne maximiert und manchmal auch in einen «Vertrauens-Vorschuss» leisten muss. Menschen spüren Ehrlichkeit und Authentizität – das ist immer glaubwürdig.


Nachhaltigkeit soll kein Luxus sein – aber trotzdem schön

Als ich SASHAY gegründet habe, musste ich natürlich überlegen, in welchem Preis-Segment die Schuhe positioniert sein sollen. Es war ein bewusster Entscheid, eben keine Luxusschuhe, sondern qualitativ gute und elegante Schuhe im Mittelpreissegment herzustellen. Mein Umfeld hat diese Strategie oft hinterfragt – zugegeben, wahrscheinlich wären Luxusschuhe lukrativer. Aber ich möchte mit SASHAY etwas verändern und eine nachhaltige Alternative zu klassischen Lederbasics schaffen. Wenn viele Menschen im Kleinen etwas ändern, verändert das im Grossen viel. Wenn sich Nachhaltigkeit nur eine kleine, privilegierte Gruppe leisten kann, ändert das nur wenig.

Ich bin mir bewusst, dass sich nicht alle Menschen die Schuhe von SASHAY leisten können. Aber Qualität und Nachhaltigkeit haben ihren Preis. Egal ob Material, Verarbeitung, Arbeitsleistung oder Verpackungen: Die nachhaltige Variante ist immer teurer.


Bewusstsein und Reflexion

SASHAY versucht als Unternehmen so nachhaltig wie möglich zu agieren und konsequent den nachhaltigsten Weg zu gehen. Ich hinterfrage alle Entscheide nochmals unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Allerdings gibt es nicht immer es ein klares Richtig oder Falsch. Entscheidungen sind oft mit einem Abwägen von Vor- und Nachteilen verbunden.


Unser Apfelleder kommt zum Beispiel aus Japan. Das ist hinsichtlich Transportwegen nicht gerade nachhaltig. Wir haben auch verschiedene Materialien aus Europa getestet. Diese haben allerdings einen Apfelanteil von nur rund 30%. Zudem waren sie für die Schuhproduktion einiger Modelle nicht geeignet. Ich habe also einen Entschied gegen die Nachhaltigkeit des Transportweges aber für die Qualität und Nachhaltigkeit der Zusammensetzung des Produktes gefällt.


Ein anderes Beispiel sind Verpackungen: Ich finde es störend, wenn ein Kugelschreiber in einer Bananenschachtel geliefert wird und die Styropor-Chips für die Polsterung einen halben Abfallsack füllen. Ich wollte daher auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichten, auf Plastik sowieso. Aber was heisst das genau? Müssen die Schuhe mit Seidenpapier umwickelt sein? Braucht es eine Schuhbox und Schuhbeutel? Ist das bereits unnötiges Verpackungsmaterial oder gar Marketing-Schnick-Schnack?

Sorge tragen und Langlebigkeit ist für mich genauso Teil von Nachhaltigkeit. Deswegen bin ich zu Schluss gekommen: Was dem Schutz der Schuhe dient, braucht es. Der Kompromiss war Folgender: Das Seidenpapier und die Schuh- und Versandkartons sind recycelt und recyclebar. Bald wird es auch Schuhbeutel geben. Und die sind dann aus Bio-Baumwolle.


Foto: André Springer


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